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Viele Grundschulkinder lernen englische Vokabeln, Grammatikregeln und Aussprache zunächst im Klassenzimmer. Trotzdem fällt es einigen schwer, das Gelernte spontan im Gespräch anzuwenden. Zwischen dem Wissen über eine Sprache und der Fähigkeit, sie tatsächlich zu nutzen, liegt häufig eine Lücke. Diese Lücke entsteht dadurch, dass Sprache im Unterricht oft isoliert von echten Situationen vermittelt wird. Kinder lernen Vokabellisten auswendig, ohne sie in einem Kontext zu erleben, der ihnen Bedeutung verleiht. Erkenntnisse zur kindlichen Sprachentwicklung zeigen jedoch, dass praktische Erfahrungen und echte Kommunikationsanlässe den Lernprozess deutlich unterstützen.
Kinder lernen Sprachen anders als Erwachsene. In den ersten Lebensjahren ist das Gehirn besonders empfänglich für sprachliche Muster, für Betonung und Satzbau. In der Sprachforschung wird diese Phase gern als sensible Phase bezeichnet. Innerhalb dieser Zeitspanne gelingt es Kindern am leichtesten, sich eine zweite Sprache anzueignen, wenn sie fortwährend Kontakt mit ihr haben, wenn sie sie hören, nachsprechen und ausprobieren können.
Ein zentraler Satz der Sprachdidaktik sagt, dass Kinder am besten lernen, wenn sie Sprache hören, die in einem Zusammenhang steht, den sie im Wesentlichen begreifen, auch wenn ihnen nicht alle Worte geläufig sind. Das geschieht, wenn Englisch nicht nur als Schulfach, sondern als ein Mittel im täglichen Leben gebraucht wird. Dies kann z.B. beim Spielen geschehen, oder beim Ansehen von Filmen in der Originalversion oder beim Kontakt und Gespräch mit Muttersprachlern.
Wer diesen Effekt über einen längeren Zeitraum erleben möchte, findet in einem Schüleraustausch in den USA eine der intensivsten Formen solcher Praxiserfahrungen. Für Grundschulkinder ist ein solcher Aufenthalt noch keine Option, das Prinzip dahinter lässt sich aber bereits früh im Kleinen umsetzen.
In vielen deutschen Grundschulen orientiert sich der Englischunterricht an den Niveaus des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Für die Grundschule soll im Allgemeinen das Niveau A1 angestrebt werden, was bedeutet, dass die Kinder einfache Sätze verstehen und auf vertraute Themen und Situationen reagieren können. Selten lässt sich dieses Niveau im Unterricht allein vollständig erreichen, wenn nicht gleichzeitig auch die Sprache im Alltag vorkommt.
Hilfreich sind vor allem kurze, immer wiederkehrende Rituale. Ein englisches Lied am Anfang des Schultages, ein einfaches Bilderbuch oder ein wöchentliches Gespräch mit einer Partnerklasse im Ausland geben Gelegenheit zum wiederholten Kontakt mit der Sprache ohne Überforderung. Digitale Lernspiele, die auf Wiederholung und spielerische Anwendung setzen, sind für diese Altersgruppe ebenfalls geeignet.
Zu Hause kann Englisch immer wieder in den Tagesablauf eingebaut werden, etwa mit englischsprachigen Hörspielen auf dem Schulweg oder kurzen Gesprächen beim Essen. Die Häufigkeit dieser Kontaktpunkte ist wichtiger als deren Dauer.
Je älter die Kinder werden, umso mehr Möglichkeiten zum praktischen Spracheerleben bieten sich ihnen. Austauschprogramme, Sprachreisen, längere Auslandsaufenthalte beruhen auf dem gleichen Prinzip wie die kleinen täglichen Riten in der Grundschulzeit, nur konsequenter. Wer als Jugendlicher einige Monate im englischsprachigen Ausland verbringt, erhält täglich Gelegenheit zur echten Verständigung und lernt Sprache viel schneller als im klassischen Unterricht.
Seriöse Austauschprogramme sind an Kriterien gebunden: geprüfte Gastfamilien, schulische Anbindung im Zielland, dauernde Betreuung während des Aufenthaltes. Auf diese Dinge achten Eltern, die ein solches Programm für ihr Kind ins Auge fassen, auch wenn der Austausch für Grundschüler noch keine praktikable Lösung ist.
Für die Jüngeren gilt natürlich der Grundgedanke: Sprache wirkt am besten, wenn sie in echten Situationen zum Einsatz kommt, beim Spielen und Reden oder auch bei einem kurzen Auslandsbesuch mit der Familie.